KDA Osnabrück/Ostfriesland-Ems

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„Ich habe manchmal Angst, wie das alles weitergehen soll.“

Workshop-Teilnehmer berichten Landessuperintendentin Klostermeier von ihren Ideen einer „Solidarischen Ökonomie“

Ein Gastbeitrag von Katharina Lohmeyer

Nur mal angenommen, ein Außerirdischer würde auf unserer Erde landen – würde er unser Wirtschaftssystem auf Anhieb verstehen? Könnte er verstehen, dass es für ihn kein Wasser gäbe, wenn er nicht dafür zahlen könnte – obwohl es reichlich davon gibt?

Mit diesem Bild eröffnet die Wirtschafts- und Politikwissenschaftlerin Friederike Habermann in der Evangelischen Familienbildungsstätte in Osnabrück den Workshop zum Thema „UmCare zum Leben – Die Wiederentdeckung des Selbstverständlichen in der Solidarischen Ökonomie.“

Die Teilnehmer kommen aus unterschiedlichen Bereichen der Pädagogik: ein angehender Lehrer ist genauso dabei wie private Coaches, ein Zirkuspädagoge und Mitarbeiter aus der Erwachsenenbildung. Viele von ihnen beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit neuen Formen des Zusammenlebens und einer gerechteren Ökonomie. Habermann erklärt anhand der Geschichte, wie Eigentum, Arbeit und Geld in unsere Welt gelangt sind. Auch der Trost, den wir in der aktuellen Jahreslosung „Gott spricht: Ich will euch trösten wie einen eine Mutter tröstet“ finden, taucht auf: Schließlich sei Trost ja auch eine Care-Tätigkeit, sagt Habermann. Dabei bezeichnet der englische Begriff „Care“ zum einen bestimmte Tätigkeiten und Arbeitsbereiche, die eng an Pflege und Versorgung gekoppelt sind. Zum anderen beschäftigen sich auch die Wirtschaftswissenschaften seit einigen Jahren mit der Frage nach dem Wert der reproduktiven „Care“-Tätigkeiten.

Was stört mich? Was fehlt mir? Wovor habe ich Angst? – In Zweiergruppen sprechen die Teilnehmer über ihre Eindrücke und Gefühle im Hier und Jetzt. Landessuperintendentin Birgit Klostermeier tauscht sich mit Rosalind Honig aus, der Mitbegründerin der „Offenen Mentor/innen-Akademie der Neuen Arbeit.“

Eine Teilnehmerin berichtet von ihren Sorgen bezüglich der Zukunft - vor allem bezogen auf die gesellschaftliche Perspektive. „Bei all den weltweiten Entwicklungen und ökonomischen Strömungen denke ich manchmal: Kriegen wir das alles hin?“

Eine andere Teilnehmerin berichtet davon, wie schwierig es ist, ihr bereits bestehendes Kollektiv zusammen zu halten und davon zu überzeugen, dass es möglich sei, eine andere Wirtschaftsform zu leben.

Matthias Jung hat Friederike Habermann für den Workshop „Solidarische Ökonomie“ gewinnen können; er hat ihn organisiert. Als Referent im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt berichtet er von den Einblicken, die er durch seine Arbeit in verschiedene Arbeitsbereiche und Betriebe bekommt. Er beschreibt zum Beispiel, wie viele Lebensmittel in einem Recyclingunternehmen im Bereich des Sprengels Osnabrück wegen eines Fehlers an der Verpackung vernichtet werden müssen – weil das günstiger ist, als sie weiter zu verwenden. Dabei gibt es Alternativen, sagt Friederike Habermann: Umsonst-Läden, die im Gegensatz zu Tausch-Ringen nach keiner Gegenleistung fragen. Oder Angebote von Menschen, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten gerne mit anderen teilen, weil sie sich damit selbst verwirklichen können – auch hier soll eine Gegenleistung keine Rolle spielen, schwächt sie doch die „intrinsische“ Motivation, die Motivation aus sich selbst heraus, so Habermann.

„Trost ist ja auch eine Care-Tätigkeit“, hat Friederike Habermann zu Beginn des Workshops gesagt, und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben ihr Recht: Sie fühlt sich bestätigt, weiterzumachen, sagt Rosalind Honig von der Offenen Mentor/innen-Akademie. Gerade das Thema „Schenk-Ökonomie“ werde sie weiter beschäftigen, sagt eine andere Teilnehmerin.

Für die Landessuperintendentin ist klar: Der theoretische Überblick, die vielen Gespräche und der Austausch der Teilnehmer untereinander haben viele Punkte ins Bewusstsein gerückt. Nun gilt es zu überlegen, wo man vieles davon weitergeben und einbringen kann, so Klostermeier.



Bild: Katharina Loymeyer

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Alles hat seine Zeit - Zeit für mehr Solidarität

Bilder vom Ökumenischen Gottesdienst am Maifeiertag in Osnabrück mit Landessuperintendentin Birgit Klostermeier und Domkapitular Reinhard Molitor sowie vom anschließenden Familienfest vor dem Gewrkschaftshaus am August-Bebel-Platz.
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Bild: Düing (1), Ebbrecht (2-4), Sauthoff (5-12)

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„Elektromobilität - Da bleibt noch viel zu tun“ Evangelischer Kirchenkreis Osnabrück zum Betriebsbesuch bei Osnabrücker Logistikspezialist Meyer & Meyer

Evangelische Kirche und Wirtschaft stehen in regelmäßigem Austausch und nutzen Betriebsbesuche, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Unter dem Motto „Mobilität von Waren und Menschen“ organisiert der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) derzeit Betriebsbesuche bei verschiedenen Unternehmen an unterschiedlichen Standorten innerhalb der Landeskirche Hannover. Anfang März besuchten Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende das Logistikunternehmen Meyer & Meyer in Osnabrück.

„Meyer & Meyer ist Spezialist für logistische Dienstleistungen entlang der textilen Wertschöpfungskette. Das berührt natürlich Fragen der Nachhaltigkeit, die auch für unsere Kirche und ihr Engagement für die Bewahrung der Schöpfung, für Klimaschutz und fairen Handel von Bedeutung sind“, erklärte Martin Steinke, stellvertretender Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Osnabrück.

Genau diese Aspekte hatten Matthias Jung (Referent im KDA) bewogen, Meyer & Meyer als Ziel vorzuschlagen. In einem früheren Besuch des Unternehmens auf Einladung des Betriebsratsvorsitzenden Franz-Josef Strunk war er fasziniert von den Abläufen. „Wenn ich in ein Geschäft gehe, hängt die Kleidung schön ordentlich sortiert auf den Ständern. Der Besuch bei Meyer & Meyer hat mir einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht und ich schaue nun mit anderen Augen auf die Abläufe in einem Bekleidungsgeschäft. Gleichzeitig stellen sich angesichts des Berges von Verpackungsmaterial und den unzähligen Kilometern, welche die LKW zurücklegen, um die Ware von hier nach dort zu bringen, eine Menge Fragen an Ökologie und Ökonomie.“

Rolf Meyer betonte in seinem einführenden Vortrag, dass diese Herausforderungen ihm als Christ sehr am Herzen liegen. Als ein Beispiel des Engagements berichtete er von einem gemeinsamen Forschungsvorhaben mit dem Fraunhofer-Institut zur Entwicklung von Elektromotoren für LKW. „Da bleibt noch viel zu tun. Aber wir sind uns unserer Verantwortung für den Umwelt- und Klimaschutz sehr bewusst und möchten als Logistiker im Thema Elektromobilität ein Vorbild sein“, so sein Resümee.

Anschließend besuchte die Gruppe das Lager für textile Liegeware in Osnabrück-Gretesch. Hier werden am Tag mehrere tausend Textilien umgeschlagen. Die hohen Regale und endlosen Förderbänder machten anschaulich, was Logistik in der Bekleidungsindustrie praktisch bedeutet. Im Gespräch mit dem Gruppenleiter Andreas Bünte kamen hier auch Fragen zu Belastungen durch Stress, Zeitarbeit und Arbeitszeiten insbesondere während der Hochsaison zur Sprache. Der Logistiker wirkt dem entgegen, indem er seine Mitarbeiter durch ein umfangreiches Gesundheitsmanagement unterstützt zu dem z. B. Frühsportangebote oder eigene Stress-Coaches gehören. Auch in dem weitgehend automatisierten Lager sind immer noch über einhundert Mitarbeitende im Schichtbetrieb tätig. „Die moderne Technik kann uns eine Menge Arbeit abnehmen, aber das menschliche Auge ist bei der Qualitätsprüfung nicht zu ersetzen und es gibt Tätigkeiten, die Maschinen nicht übernehmen können, zumindest heute noch nicht.“

Der Besuch hinterließ nachdenkliche Mienen. Der Einblick in die Welt der Logistik, die ohne Computertechnik nicht mehr vorstellbar ist, beeindruckte. Es blieb aber auch die Frage, wie sich der Fortschritt der Digitalisierung weiterentwickeln wird.


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Bild: Detlef Sauthoff, KDA

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Was macht eigentlich ein KDA-Referent?

Unter dieser Überschrift habe ich auf stories-e.de ein Pageflow erstellt.
Hier der Link:  https://stories-e.de/kda-jahresruckblick

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Bild: Matthias Jung

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Gestern Abend in Syke, am Bahnhof im Gleis 1.
Ich halte zum letzten Mal meinen Vortrag über Griechenland, auf Einladung von attac.
Es war eine spannende Diskussion.
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Bild: Ulrich Tatje

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Mut zur Ehrlichkeit – 1. Deutscher CSR Kommunikationskongress

Am 13. November hatte ich die Möglichkeit, am 1. Deutschen CSR Kommunikationskongress in Osnabrück teilzunehmen. Thema: Wie Unternehmen ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit kommunizieren (können, sollten). Es war eine hervorragende konzipierte und organisierte Veranstaltung, an der ich etliche neue Menschen kennengelernt habe und spannende Vorträge gehört habe. Die Podiumsrunden waren passend zusammengestellt, gleiches gilt für die beiden Workshops, die ich besucht habe. Ein paar Eindrücke möchte ich hier festhalten.

Marc Winkelmann eröffnete den Vormittag mit einer Keynote. Drei Imperative stellte er in den Raum: 1. Seien Sie mutig! („Gehen Sie in den Dialog, um die Argumente der Bevölkerung zu hören!“), 2. Seien Sie ehrlich! („Verfolgen Sie eine entwaffnende Strategie – ich habe meine Ahnung, aber ich kümmere mich darum!“), 3. Stellen Sie größere Fragen! („Fragen Sie sich: Worin liegt der Sinn Ihres Unternehmens?“). Sein Fazit: Etwas mehr Demut würde zu mehr Ehrlichkeit und Offenheit in der Unternehmenskommunikation führen.

Ehrlichkeit, das Wort sollte am Ende des Tages sich mehr oder minder durch alle Vorträge und Gespräche hindurch gezogen haben. Ehrlichkeit führt zu Glaubwürdigkeit und Vertrauen, zwei für den Erfolg wesentliche Schätze eines Unternehmens. Dabei wurde zu Recht darauf verwiesen, dass niemand glaubwürdig oder vertrauenswürdig sein kann, dies sind Zuschreibungen von außen. Ehrlich und authentisch, das kann ich sein. Und dazu gehört auch die Bereitschaft, Fehler, nicht erreichte Ziele in z.B. in Nachhaltigkeitsreports zuzugeben. Das ist riskant und wird vielfach als Schwäche abgelehnt – andererseits ermüden die Hochglanzbroschüren die Leser/-innen und führen nicht zu mehr Vertrauen, weil jede/r weiß, niemand ist perfekt und fehlerfrei, ich auch nicht. Unternehmen wie Tschibo haben hier überraschend positive Erfahrungen gemacht, wie Achim Lohrie (Leiter Unternehmensverantwortung) an Beispielen zeigt. Frederik Lippert von der Vaillant Group brachte es auf den Punkt: „Transparenz heißt Erfolge nur dann zu feiern, wenn auch über Misserfolge gesprochen wird.“

Ich fand es spannend und erfreulich, wie viele Unternehmen in Deutschland mittlerweile auf dem Weg sind, nachhaltiger zu wirtschaften und entsprechende Strategien fahren (oft auch gegen den Widerstand in den eigenen Reihen). Von Vaude wusste ich schon, aber Tschibos Anstrengungen waren mir ebenso neu wie manch andere Firma, die sich z.B. in der von Yvonne Zwick aus der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung vorgestellten Datenbank des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (die 2016 deutlich verbessert und überarbeitet wird). Das Themenfeld Nachhaltigkeit, ökologisch und soziale Produktionsbedingungen, globale Lieferketten ist dabei, im Mainstream anzukommen, der Bedarf wird für mich auch daran erkennbar, dass der Nachhaltigkeitsrat einen entsprechenden Leitfaden für KMUs herausgegeben hat.

Am Nachmittag nahm ich am Workshop „Social Media und Mobile Communication“ teil. Michael Herz, Geschäftsführer von DFB-Online gab interessante Einblicke in die Social Media-Aktivitäten des DFB, der anders als die allermeisten Unternehmen mit riesigen Nutzerzahlen arbeiten kann – und muss. Joachim Schöpfer (geschäftsführender Partner von Serviceplan Corporate Reputation, einer Agentur für Reputations- und Nachhaltigkeitskommunikation) schlug in einem Statement einige Pflöcke ein: „Alte“ Marketingmethoden (wie das „Anbrüllen“) passen immer weniger zu de den modernen Medien und Möglichkeiten, das führt zur steigender Verzweiflung in der Branche, weil die vertrauten Waffen immer stumpfer werden. Seine These: „Die Verbraucher/-innen möchten zunehmend, dass die Firmen, deren Produkte sie kaufen, etwas zur Rettung der Welt beitragen.“ Hier gilt es zu überlegen, worüber habe ich als Unternehmen eine Kompetenz bzw. Relevanz zu sprechen? Das wird mir in der Kommunikation abgenommen, weil es authentisch ist. Es gilt also nach den Themen zu suchen, die zu mir und meinem Geschäftsfeld „passen“. Und dann, nur dann kann Social Media auch zum Dialog werden, weil dazu gehört, dass mein Content den oder die Andere/n bewegt. Schöpfer wies auch darauf hin, dass Social Media neben einer Strategie entsprechende zeitliche Ressourcen benötigt. „Einfach noch oben drauf“ gesattelt auf vorhandene (Stunden-) Budgets wird man schwerlich Erfolge feiern können.

Leider, leider hatte Sabine Kirchhoff (Professorin am Institut für Kommunikationsmanagement an der Hochschule Osnabrück) nur noch fünf Minuten, um ihre Thesen vorzutragen. Sie konnte auf unnachahmliche Weise nur darauf hinweisen, dass es etliche Mythen in der (Online-) Kommunikation gibt, die „echte“ Kommunikation eher verhindern als fördern. Das ging alles so schnell, dass ich nicht mehr mitschreiben konnte. Nur einen Gedanken kann ich noch erinnern: Die Aufmerksamkeit wird dann gesteigert, wenn Themen aufgegriffen werden, in denen die Bedrohungen der Werte von Einzelnen angesprochen werden oder wenn Krisen des gesamten gesellschaftlichen Systems diskutiert werden (das kann an der aktuellen Debatte um die Flüchtlinge aufgezeigt werden.

Auf der einen Seite fand ich die Einblicke in Nachhaltigkeitskommunikation von Unternehmen als KDAler hoch spannend, auf der anderen Seite frage ich mich aber auch immer, was solche Erkenntnisse für unsere innerkirchliche Kommunikationsstrategie bedeuten. Einige Fragen, die mir durch den Kopf gingen:

- Wie sieht es mit der Kommunikation der innerkirchlichen Bemühungen um Nachhaltigkeit im eigenen "Wirtschaften" aus? Sind wir hier transparent im Sinne von Lippert und Lohrie, dass wir auch die Misserfolge kommunizieren?

- Welches sind die Themenfelder, in denen wir kompetent und relevant sind? Anders gefragt: Was sind die Themenfelder, in denen uns Kompetenz und Relevanz zugeschrieben wird?

- Gelten die Aussagen von Schäfer auch für unsere kirchlichen Veröffentlichungen, dass alte Wege sich nicht abnutzen, sondern auch nicht mehr zeitgemäß sind?

- Was bedeutet es für unsere Kommunikation, wenn Sabine Kirchhoff recht hat und vor allem Werte und befürchtete oder reale Systemkrisen Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Haben wir hier Kompetenz und Relevanz - und die nötigen Ressourcen?

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Einladung zum Vortrag von Prof. Franz Segbers

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Bild: Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften Osnabrück

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Stricken gegen soziale Kälte

Bilder von der Aktion am Internationalen Tag der Armutsbekämpfung im Stadtgarten in Emden am 17. Oktober.
Ein schöner Vorbericht findet sich hier: 
http://kirchenbote.de/content/stricken-gegen-soziale-k%C3%A4lte
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Bild: Michael Schaper (1,4,5), Matthias Jung (2,3)

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Freihandel und fairer Handel

KAB und KDA haben in der letzten Woche in Osnabrück eingeladen, um über die Folgen des Freihandelsabkommen TTIP zu diskutieren. Anders als in vielen anderen Runden zur Thematik hatten wir gezielt gefragt: Welche Auswirkungen hat TTIP auf die Länder des Südens?
Unsere Gesprächspartner waren Manuel Blendin vom "Forum fairer Handel" und Christoph Meinecke, stell. Geschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.
Beginnend mit zwei kurzen Statements entwickelte sich schnell ein angeregtes Gespräch, in das sich die Zuhörer/-innen schnell aktiv einbrachten. Viele Stichworte aus der TTIP-Debatte wurden engagiert, aber äußerst sachlich diskutiert:  Sinn, Zweck und Grenzen von Freihandelsabkommen, Investorenschutz, internationale Standards usw. Dabei gab es neben zu erwartenden Differenzen auch viele Übereinstimmungen, z.B. in der Notwendigkeit, dass viele Aspekte im Welthandel politisch "geregelt" werden sollten, um Sicherheit für Investoren, aber auch für betroffene Produzenten in den Ländern des Südens zu schaffen. Während Meinecke hier vor allem darauf abhob, dass es um die Frage geht, ob die EU mit den USA Weltstandards definiert oder die USA mit Asien, betonte Blendin, dass aus seiner Sicht auch die indirekt betroffenen Staaten mit an den Verhandlungstisch gehören, weil es darum gehe, auf Augenhöhe zu agieren..
Die Zuhörer/-innen zeigten sich durch die Bank zufrieden. Einer brachte es schon nach einer Viertelstunde auf den Punkt: "Ich habe jetzt schon mehr Informationen bekommen und Zusammenhänge verstanden als in etlichen anderen Veranstaltungen, die ich zu TTIP bereits besucht habe!" 
(Auf dem Bild von links: A. Luttmer-Bensmann, M. Jung, M. Blendin, C. Meinecke)
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Bild: Andreas Luttmer-Bensmann

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Nachhaltigkeit steht an erster Stelle – Besuch bei Lebensbaum

Gastbeitrag von Bastian Funk, Öffentlichkeitsbeauftragter im Sprengel Osnabrück

Diepholz. Am 01.10.2015 wurde im Rahmen der diesjährigen Visitation von Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier im Kirchenkreis Grafschaft Diepholz die Ulrich Walter GmbH, bekannt unter dem Namen Lebensbaum besichtigt. Der Pressesprecher des Unternehmens, Jan Kühn und Einkaufsleiter Dr. Achim Mayr hatten einen erkenntnisreichen Rundgang durch das Unternehmen vorbereitet und gaben detailreiche Einblicke in ein einzigartiges Firmenkonzept mitten in Diepholz.

An einem sonnigen Herbsttag trafen sich Superintendent Klaus Priesmeier, Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier, Dr. Matthias Jung (KDA), Wirtschaftsförderer Bernd Ölmann und Thomas Butenuth-Grünenbaum  um sich ein genaues Bild von dem Erfolgskonzept der Firma zu verschaffen, das seit 35 Jahren erfolgreich Kaffee, Tee und Gewürze in bester Bioqualität herstellt. Für den KDA gehören regelmäßige Betriebsbesuche zum Standardprogramm, um mit Mitarbeitenden und dem Führungspersonal ins Gespräch zu kommen. Durch diese Termine wird versucht, Menschen aus dem kirchlichen Raum eine gezielte Wahrnehmung von der Erwerbsarbeit zu vermitteln.

Gleich zu Beginn erhielten die Besucher/-innen einen herzlichen Empfang und wurden durch die gesamte Produktionskette, von der Lagerung der kostbaren Naturalien bis hin zu ihrer finalen Verpackung geführt. Alle Rohwaren stammen zu 100 Prozent aus ökolo­gischer Landwirtschaft. „Das Unternehmen kauft seine Teeblätter und Gewürze im Ursprungsland ein und pflegt direkte Beziehungen zu den Lieferanten vor Ort. Dabei spielt natürlich die Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle und sie ist Teil unseres gesamten ökonomischen Betriebssystems“, erklärte Einkaufsleiter Dr. Armin Mayr. Die Visitationsgäste zeigten sich sichtlich beeindruckt von der Qualität und der Unternehmensphilosophie. Nach der circa einstündigen Betriebsbesichtigung gab es im Sitzungsaal dann die Gelegenheit Tee und Kaffee zu probieren. Im Anschluss startete eine Firmen-Präsentation. Es wurden Zahlen und Fakten zum Unternehmen vorgestellt, die Entstehungsgeschichte sowie einzelne Hilfs-Projekte neben der operativen Arbeit dargestellt. Darüber hinaus konnten Fragen gestellt werden.

 Auf die Frage, wie die Diepholzer Firma personalorganisatorisch auf Krisen reagiert, wenn auf einem liberalisierten Markt Flexibilität verlangt wird, antwortete Dr. Mayr: „In der Vergangenheit gab es bei uns in schwereren ökonomischen Zeiten nie Personalentlassungen. Ein Unternehmen taugt nur, wenn es dem Menschen dient. Natur und Mensch sind für Lebensbaum maßgebend.“ Aus kirchlicher Perspektive sind die moralischen und ethischen Grundsätze der Firma Lebensbaum interessant. Ein Projekt unter der Flagge der Firma ist die kostenlose Versorgung zahnärztlicher Behandlungen. Einkaufleiter Dr. Mayr berichtete stolz über die mobile Zahnarztpraxis. Es ist ein vollausgestattetes Behandlungszimmer auf Rädern samt Zahnarzt und Arzthelfer-Team. Der Bus fährt in erster Linie in die Slums von Chennai in Indien und richtet sich speziell an Schulkinder. Die Firma setzt sich mit ihrer Lebensbaum-Stiftung auch für Bildung ein. Sie unterstützt zum einen ein Projekt gegen Kinderarbeit in der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Durch dieses Projekt konnten bereits über 3.000 Kinder von der Kinderarbeit befreit werden und man ermöglichte ihnen die Schulbildung.

Nach einem langen und spannenden Nachmittag wurden am Ende noch Geschenke an die Besucher verteilt: Ein Korb voller unterschiedlicher Teesorten und Kaffee.    

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Bild: Matthias Jung (4) / Bastian Funk (2)

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